Reiserecht


Bei Flugverspätung Ausgleichszahlung auch für Babys

 

Wenn sich ein Flug verspätet, haben die Passagiere Rechte, die sie geltend machen können. Das gilt nicht nur für Erwachsene, sondern auch für Kleinkinder – solange einige Voraussetzungen erfüllt sind.Auch einem Kleinkind steht bei einer großen Flugverspätung oder Annullierung eine Ausgleichszahlung zu. Einzige Bedingung: Die Eltern müssen etwas für das Kind bezahlt haben und eine Buchungsbestätigung besitzen.

Es komme dagegen nicht darauf an, ob das Kind einen eigenen Sitzplatz hatte, entschied das Landgericht Stuttgart (Az.: 13 S 95/12). Das berichtet die Deutsche Gesellschaft für Reiserecht in ihrer Zeitschrift “ReiseRecht aktuell”.

Buchungsbestätigung für das Kind

In dem Fall hatte eine Familie einen Flug von Stuttgart nach Palma de Mallorca gebucht. Die Ankunft verspätete sich um mehr als drei Stunden. Die Familie verlangte deshalb auch eine Ausgleichszahlung für die 16 Monate alte Tochter. Die Fluggesellschaft wollte jedoch nicht zahlen.

Das Amtsgericht hatte der Familie bereits Recht gegeben, das Landgericht bestätigte das Urteil. Das Kind habe eine Buchungsbestätigung besessen, in der es namentlich genannt war. Zudem habe es einen – wenn auch reduzierten Preis – gezahlt.

 

Visumspflicht nicht angesagt – Einreise verweigert

Einem türkischen Mann wurde die Einreise nach Dubai wegen eines fehlenden Visums verweigert. Daraufhin verklagte der Reisende den Veranstalter, weil der ihn nicht ausreichend informiert hätte.

Reiseveranstalter müssen Deutsche bei in Deutschland angebotenen Reisen über eine Visumspflicht informieren – Bürger anderer Staaten aber nicht

Grundsätzlich müssen Reiseveranstalter Reisende informieren, wenn im Urlaubsland ein Visum erforderlich ist. Das gilt jedoch bei in Deutschland angebotenen Reisen nur für Deutsche und nicht für andere Staatsbürger.

Auch ein vorsorglicher Hinweis an alle Reisenden, dass für Angehörige von Drittstaaten möglicherweise andere Pass- und Visaerfordernisse gelten, sei nicht nötig. Das entschied das Landgericht Duisburg (Az.: 7 S 33/12).

In dem Fall hatte ein türkischer Mann gegen einen Reiseveranstalter geklagt, weil ihm die Einreise nach Dubai verwehrt wurde. Ihm stehe kein Schadenersatz zu, entschied das Gericht.

Angehörige von Drittstaaten müsse der Reiseveranstalter nur dann über Pass- und Visaerfordernisse informieren, wenn die ausländische Staatsangehörigkeit bei Vertragsschluss erkennbar sei. Allein ein türkischer Name sei kein ausreichender Hinweis auf dessen Staatsangehörigkeit.

 

Kein Schadenersatz für verdreckten Badestrand

Bei einer Pauschalreise erkrankte eine Famlie – ihrer Ansicht nach wegen Fäkalien am Strand. Vom Veranstalter verlangte sie 60 Prozent des Reisepreises und Schadenersatz. Der Fall landete vor Gericht.

Urlauber haben keinen Anspruch auf Schadenersatz oder auf eine Minderung des Reisepreises, wenn der Strand verdreckt war. Dafür sei nicht der Reiseveranstalter verantwortlich zu machen, argumentierte das Amtsgericht München in einem Urteil (Az.: 132 C 15965/12).

Die Klägerin hatte eine dreiwöchige Pauschalreise in die Türkei gebucht. Eine Woche nach der Ankunft erkrankte die ganze Familie an Fieber und Durchfall. Die Klägerin musste für zwei Tage ins Krankenhaus.

Wieder zu Hause, verlangte sie von dem Reiseunternehmen 60 Prozent des Reisepreises sowie Schadenersatz. Nach ihrer Überzeugung waren Fäkalien am Strand die Ursache der Erkrankung.

Veranstalter nicht für Verschmutzung verantwortlich

Der Reiseveranstalter weigerte sich zu zahlen. Die Verunreinigungen seien durch ein defektes Kanalisationsrohr der Gemeinde entstanden. Davon habe das Unternehmen nichts gewusst. Außerdem liege dies nicht in seinem Einflussbereich.

Das Amtsgericht schloss sich dieser Sichtweise an. Ansprüche gegen den Veranstalter könne es nur geben, wenn ihm der Mangel angelastet werden könne. Ein Schaden am Kanalisationsrohr der Gemeinde reiche dafür nicht. Außerdem gebe es keine Anhaltspunkte, dass das Unternehmen von der Verseuchung wusste und die Klägerin hätte informieren können.

 

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